ADHS in den Wechseljahren = ADHS²

Mrz 8, 2024 | 0 Kommentare

Dieser Beitrag richtet sich nicht nur an Frauen in den Wechseljahren, sondern an Männer und Frauen jeden Alters gleichermaßen, denn diese Informationen sind wichtig und sollten so viel Verbreitung finden wie irgend möglich. Nicht nur ADHS befindet sich noch immer in der Schmuddelecke unserer Gesellschaft, sondern auch die Menopause oder eigentlich alles, was mit dem weiblichen Zyklus zu tun hat. Wenn dann beides aufeinandertrifft, merkt man umso deutlicher, wie alleine frau mit ihren Problemen dastehen kann.

Neulich erzählte eine Frau auf Instagram, dass sie sich schon große Sorgen gemacht hatte, ob sie womöglich gerade dabei war dement zu werden. Vergesslich war sie aufgrund ihrer ADHS schon immer gewesen, doch nahm ihre Vergesslichkeit mit zunehmendem Alter so extreme Ausmaße an, dass ihr Alltag immer massiver beeinträchtigt war. Es stellte sich dann heraus, dass sie in der Perimenopause steckte, im Anfangsstadium ihrer Wechseljahre, in denen viele Frauen über vermehrte Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Schlafprobleme und Reizbarkeit klagen. ADHS ist eine Herausforderung. Und in den Wechseljahren zu stecken ist eine weitere Herausforderung, die erstaunlich viele Symptome mit ADHS teilt. Tja, und beide zusammen können frau tatsächlich zu Fall bringen.

Leider wird darüber nicht viel geredet. Die Wechseljahre werden vor allem mit Hitzewallungen und Müdigkeit in Verbindung gebracht. „Da muss nun mal jede durch.“, heißt es. Kaum wird darüber informiert, was genau im weiblichen Körper passiert, wenn das Ende der Fruchtbarkeit erreicht ist. Warum sollte man sich auch dafür interessieren? Ist ja dann nicht mehr wichtig, weil frau dann ja sowieso nicht mehr gebären kann und keiner mehr was davon hat – naja, außer sie selbst halt. Frauen unterhalten sich in der Regel auch eher nur mit guten Freundinnen oder hinter vorgehaltener Hand über ihre Wechseljahre. Das Thema ist nach wie vor schambehaftet, obwohl es absolut ALLE Frauen irgendwann betrifft. Ich finde das erstaunlich.

Genau wie beim Thema ADHS verblüfft (und verärgert) es zudem, dass Ärzt:innen – sogar Gynäkolog:innen – nicht oder nicht genügend über die stattfindenden Prozesse informieren und diese begleiten. Auch leider selbst oft nicht ausreichend informiert sind. In Eigenregie kümmern sich viele Frauen nun darum (meist nach der Lektüre des Buches „Woman on Fire“ von Dr. Sheila de Liz oder durch den Tip einer Freundin), ihren Hormonstatus überprüfen zu lassen in der Hoffnung, Hormonmängel und die damit verbundenen gesundheitlichen Einschränkungen beheben zu können.

Häufig kann dann ein Östrogen- oder Progesteronmangel festgestellt und ausgeglichen werden, was zu besserem Schlaf, weniger Reizbarkeit, besserer Konzentration und allgemeinem Wohlbefinden führen kann. Es kommt auch vor, dass Ärzt:innen nur die weiblichen Geschlechtshormone betrachten, obwohl auch für Frauen ein bestimmter Testosteronwert wichtig ist und obwohl in den Wechseljahren vielen Frauen Testosteron fehlt, was dann zu Antriebslosigkeit, Libidoverlust, depressiven Verstimmungen, Muskelabbau und vermehrtem Bauchspeck führen kann. Sollte auch der Testosteronwert bestimmt worden und ein Mangel festgestellt werden, kann der Arzt/die Ärztin ein Testosteronprodukt aber nur off-label verschreiben, weil alle Präparate ausschließlich für Männer zugelassen sind. Wofür braucht eine Frau schon Kraft und Energie? Oder Gesundheit und Wohlbefinden? Völlig überbewertet!

Es ist wichtig ein hormonelles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, unter anderem um Alterskrankheiten wie Osteoporose vorzubeugen und um auch in der wirklich zum Teil sehr langen Zeit der (Peri-)Menopause glücklich und ausgeglichen zu sein – zumindest in dem Maße, in dem dies vorher möglich war.

Gerade Frauen mit ADHS sollten immer in Erwägung ziehen, dass eine Verschlechterung ihrer Symptome hormonelle Gründe haben könnte. Auch Vitamin- und Mineralstoffmängel gilt es jederzeit zu vermeiden und auszuschließen, da diese sich bei uns häufig besonders drastisch zeigen.

Ich wünsche dir noch einen großartigen internationalen Frauentag!!! Auch, wenn wir nicht öffentlich demonstrieren gehen, können wir dennoch in unserem Umfeld dafür sorgen, dass Frauen mit allen ihren Themen gesehen und unterstützt werden. Lasst uns viel mehr über unsere Belange reden und uns dafür einsetzen, dass wir auch im medizinischen Bereich keine Randerscheinung bleiben!

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